Weiterbildung
“Gute Ärzte fallen nicht vom Himmel!”
Schon gar nicht die fehlenden 1200 Praxisnachfolger für die kommenden 15 Jahre. Ein Grund mehr für die JHaS sich in Zukunft vermehrt für eine attraktive und qualitativ hochwertige Weiterbildung unserer Hausärzte ein zu setzen. Dabei verfolgen wir zwei Strategien:
1. Aktive Mitarbeit bei der Gestaltung des neuen Weiterbildungsprogrammes für AIM
2. Unterstützung Junger Ärzte bei der Planung ihres Curriculums
Auf unserer Homepage findet Ihr Facts zum neuen Weiterbildungsprogramm inklusive Übergangsbestimmungen, einige politische Hintergrundinformationen über die Weiterbildungslandschaft Schweiz sowie Praktische Tips zu Planung und Organisation des Curriculums.
Bist du Interessiert, Engagiert oder einfach nur Konsterniert, dann steig ein in die Arbeitsgruppe Weiterbildung. Ob du dabei nur einmal mit philosophieren möchtest oder ob du gleich Mitglied der paritätischen Prüfungskommission wirst sei dir selbst überlassen. Melde dich auf jeden Fall bei der Gruppenleitung!
Das neue Weiterbildungsprogramm AIM
Seit dem 1.1.2011 ist das Weiterbildungsprogramm für allgemeine Innere Medizin in Kraft. Es ist das Produkt der Zusammenlegung der Facharzttitel für Allgemeinmedizin und für innere Medizin. Die Absolventen dieses Programms arbeiten in ihrer späteren Karriere unter sehr variablen Bedingungen. Darum ist im neuen Programm vieles möglich und nur einzelne Punkte sind obligatorisch. Diese obligatorischen Voraussetzungen zum erlangen des Facharzttitels sind:
-Insgesamt 5 Jahre Weiterbildung
-2-2.5 Jahre Stationäre innere Medizin
-6-12 Monate ambulante innere Medizin (Praxis oder Poliklinik)
-Dies ergibt mindestens 3 Jahre innere Medizin. Davon muss entweder 1 Jahr stationär an einer A-Klinik oder 1 Jahr ambulant an einer medizinischen Kategorie-1-Poliklinik (Universitäts-Poliklinik) absolviert werden
-Publikation einer wissenschaftlichen Arbeit oder akzeptierte Dissertation.
-Besuch eines anerkannten Kurses in Notfallmedizin
-Weiter- bzw. Fortbildungskurse im Umfang von drei Tagen bzw. 24 Credits
-Bestandene Facharztprüfung AIM
Detailliertere Informationen liest du am besten gleich selbst im Weiterbildungsprgramm nach: http://www.fmh.ch/bildung-siwf/weiterbildung_allgemein/weiterbildungsprogramme/allgemeine_innere_medizin.html
Zu den Übergangsbestimmungen für Jungärzte, die ihre Weiterbildung nach dem alten System begonnen haben gibt es im Artikel von Werner Bauer und Christoph Hänggeli in der SÄZ 2010/91 eine Rubrik FAQ: http://www.fmh.ch/files/pdf4/art_wbp_aim_d.pdf
Politische Hintergründe
Auf Drängen der EU hat das eidgenössische Departement des Inneren 2009 entschieden, dass in der Schweiz künftig nur noch 2 Facharzttitel in der Grundversorgung tätig sein dürfen statt wie bisher 3 (Internist, Allgemeinmediziner, Praktischer Arzt). Da zwischen den beiden Weiterbildungsprogrammen Innere Medizin und Allgemeinmedizin schon vorbestehend grosse Ähnlichkeiten bestanden haben wurde es vorgezogen, die beiden Titel zusammen zu legen, anstatt einen einfach aus der Grundversorgerpraxis heraus zu werfen. Neu sind also in der Grundversrgung der praktische Arzt (3 Jahre Weiterbildung) und der Facharzt für allgemeine innere Medizin (5 Jahre Weiterbildung) tätig.
Bei der Erarbeitung und Einführung des neuen Weiterbildungsprogrammes wurden die Mitglieder der Arbeitsgruppe Weiterbildung der SGAM und auch die Basis von SGIM und SGAM nicht optimal informiert, was zu einigen Diskussionen führte. Zudem gab und gibt es formale sowie inhaltliche Fragen, die noch nicht für beide Fachgesellschaften optimal geklärt sind.
Seit 1.1.2011 ist nun das neue Weiterbildungsprogramm in seiner aktuellen Form in Kraft. Anpassungen können und müssen jedoch noch vorgenommen werden. Für die weitere Gestalltung und Durchführung sind 4 Kommisionen im Einsatz welche jeweils paritätisch von SGIM und SGAM Delegierten gebildet werden. Die beiden wichtigsten sind die Weiterbildungskommission und die Prüfungskommission. Beide Kommissionen konnten im Herbst 2011 nach längerem Hin und Her bezüglich Zusammensetzung ihre Arbeit aufnehmend. Die erste Facharztprüfung für den neuen Titel kann also 2012 durchgeführt werden. Die Weiterbildungskommission erarbeitet in Untergruppen aktuell die genauen Lernziele und Mustercurricula für Praxisinternisten und Hausärzte. Eine andere Untergruppe ist mit der Ausarbeitung der Notfallkurse beauftragt. Mini-CEX und DOPS werden im Moment nicht prioritär vorangetrieben. Man möchte diese aber bis 2015 realisieren. Das e-Logbuch wurde im November auf der SIWF-Homepage aufgeschaltet. Es handelt sich um eine erste Version, die in Zukunft noch um die Lernziele ergänzt wird. Diese sind bis dahin in einer provisorischen Version unter folgendem Link einsehbar ( http://www.fmh.ch/bildung-siwf/weiterbildung_allgemein/weiterbildungsprogramme/allgemeine_innere_medizin.html )
Tips zur Planung
Der Einstieg
Basis- und Aufbauweiterbildung müssen nicht in der angegebenen Reihenfolge stattfinden. Der Einstieg in die klinische Tätigkeit kann also nach Lust und Laune erfolgen. Wer gerne ein wenig Chirurgie machen möchte stellt diese vielleicht besser vor die Innere Medizin. Mit zwei Jahren Erfahrung an Innerer Medizin ist man auf einer chirurgisch/orthopädischen Station rasch einmal unterfordert und man hat auch nicht mehr so Lust im Op Haken zu halten und sich anbrüllen zu lassen. Als Anfänger toleriert man das irgendwie noch besser. Wer direkt mit Innerer Medizin anfangen möchte tut dies meist in einer kleineren B oder C Klinik. Die A Kliniken stellen oftmals keine Anfänger ein. Oft entspricht das Patientengut eines kleinen Regionalspitals auch eher dem späteren Klientel in der Hausarztpraxis. Spannend ist es sicher auch seine Laufbahn direkt in der Hausarztpraxis zu beginnen. Eine Praxisassistenz vor der Spitalkarriere öffnet den Horizont. Man betrachtet viele der Abläufe im Spital etwas kritischer und hat von Anfang an eine bessere Ahnung was einen später einmal erwartet. Man kann auch besser einschätzen welche Fähigkeiten man effektiv brauchen wird. Allerdings hat man oft Mühe einen Lehrarzt zu finden, der einem Anfänger den vollen Lohn bezahlen kann und will. Staatlich geförderte Praxisassistenzen bedingen meist 2 Jahre klinische Erfahrung. Es sind also Kompromisse gefragt. Grundsätzlich ist alles möglich. Warum also nicht nach dem Staats noch ein Jahr die Dissertation fertig schreiben oder via Psychiatrie in die Somatik einsteigen?
Die Basisweiterbildung
Nach 3-6 Monaten findet man sich erfahrungsgemäss im Alltag zurecht und fühlt sich so langsam wie ein richtiger Arzt. Da man nicht mehr ausschliesslich damit beschäftigt ist niemanden um zu bringen kann man sich mit der Planung der Basisweiterbildung auseinander setzen. Es macht Sinn diese möglichst rasch in Angriff zu nehmen, da sie meistens Voraussetzung für ein spannendes Aufbau-Curriculum ist. Um zwei Jahre stationäre Innere Medizin kommt man nicht herum. Möchte man das ambulante Jahr nicht an einer Universitäts-Poliklinik verbringen ist auch das A-Jahr ein Muss. Man kann entweder nach einem Jahr B/C Klinik in ein A-Spital wechseln oder versuchen von Anfang an in einer etwas kleinern A-Klinik unter zu kommen. Wie oben erwähnt werden in den grösseren Kliniken meist keine Staatsabgänger eingestellt. Auf ein Jahr befristete Stellen sind kaum zu kriegen. Meistens sind die Stellen jedoch auf drei Monate kündbar. Es ist wichtig vor dem Unterzeichnen des Vertages diese Kündbarkeit sicher zu stellen. Hier eine Liste der Ausbildungsstätten für Innere Medizin http://www.fmh.ch/files/pdf6/wbs_allgemeine_innere_medizin.pdf Wir empfehlen, das ambulante Jahr Innere Medizin in Form einer Praxisassistenz zu absolvieren und betrachten es eher als Aufbauweiterbildung. Ein Jahr in der Hausarztpraxis tut jedem gut auch wenn man seinen Platz in Zukunft doch eher im Spital sieht.
Die Praxisassistenz
In Ländern wie Holland, Dänemark oder England wo Hausärzte einen hohen Stellenwert in der Grundversorgung haben werden mindestens 50% der Ausbildungszeit in der Praxis absolviert. Bei uns führen Praxisassistenzen nach wie vor ein Schattendasein. Geradezu unhaltbar ist die Tatsache, dass man nach wie vor Hausarzt werden kann ohne je einen Tag in der Praxis verbracht zu haben. Man stelle sich vor dies wäre beim Bäcker oder Velomech der Fall… Item. Mit dem neuen Weiterbildungsprogramm ist es möglich bis zu drei Jahre als Praxisassistenz zu absolvieren. Allerdings muss die Einzelpraxis nach jeweils einem jahr gewechselt werden. In einer Poliklinik-ähnlichen grösseren Gruppenpraxis sind jeweils 1.5 Jahre am Stück möglich (Vergleiche Anhang Weiterbildungsprogramm) Lehrärzte und Lehrpraxen müssen einige Grundvoraussetzungen erfüllen damit sie als Lehrstätte von der FMH anerkannt werden. Hier eine Liste der schon anerkannten Lehrstätten unter Kategorie III http://www.fmh.ch/files/pdf6/wbs_allgemeine_innere_medizin.pdf
Es kann auch sehr interessant sein ein Jahr Praxisassistenz bei einem Kinderarzt zu machen. Dies wird einem je nach Anerkennung der Praxis als Weiterbildungsstätte aber als Fremdjahr Pädiatrie und nicht als ambulante allgemeine Innere Medizin angerechet.
Da auch die Politik den Wert von Praxisassistenz-Stellen langsam begreift gibt es in vielen Kantonen einige finanzierte Plätze. Ein Praxisassistent ist teuer und kann vom Lehrarzt oft nicht zum vollen Lohn angestellt werden. Hier springt der Kanton in die Lücke und bezahlt manchmal den fehlenden Betrag. Auch die Stiftung zur Förderung der Weiterbildung in Hausarztmedizin kurz WHM finanziert einige Stellen. Sie betreibt auch eine Homepage auf der zu jedem Kanton die aktuellen Angebote aufgelistet sind: http://www.praxisassistenz.ch/
Vorsicht: einige dieser knatonal finanzierten Praxisassistenz-Stellen sind an Auflagen geknüpft. So kann im Vertrag ein Niederlassungszwang innerhalb von 5 Jahren enthalten sein. Gut durchlesen und sich der Konsequenzen bewusst sein ehe ein Vertrag unterschrieben wird!
Die Aufbauweiterbildung
Was man in den beiden frei wähbaren Jahren der Weiterbildung sinnvollerweise tut ist stark abhängig von den späteren Zielen. Für einen Hausarzt im Stadtgebiet sind andere Bereiche wichtig als für jenen in einem abgelegenen Krachen im Emmental. Sehr interessant wären sicherlich Rotationsstellen über Derma, HNO, Pädiatrie, Gyni, Rheumatologie etc. Leider sind diese Rotationsstellen, obwohl im Programm gefordert, noch ansolute Mangelware. In den Kantonen St. Gallen, Zürich, Waadt und Wallis gibt es entsprechende Curriculums-Stellen. Aber Vorsicht! Auch hier sind die kantonal finanzierten Stellen oft vie Rückzahlungspflicht an einen Niederlassungszwang gebunden. Auf den folgenden Links findet ihr mehr über die laufenden Projekte:
http://www.aim.kssg.ch/home/anmeldung/hausarztmedizin.html
http://www.usz.ch/BildungamUSZ/aerztlichebildung/Weiterbildung/Seiten/default.aspx
http://www.devenirgeneraliste.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=59&Itemid=2
Links
- Stellungnahme der JHaS zum Programm in der SÄZ
- Sondernummer Primary Care zur Weiterbildung 04/2010
- Was sagt der WONCA Präsident zur Weiterbildung?
- Artikel mit Mustercurricula als Planungshilfe
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Letzte Änderung: Mittwoch, 18. Januar 2012


